Vom Klassenzimmer auf die größten Bühnen der Welt: Die unglaubliche Reise der Sheryl Crow.
„All I Wanna Do Is Have Some Fun“ – mit dieser Zeile sang sich Sheryl Crow 1994 in das kollektive Musikgedächtnis einer ganzen Generation. Doch wer Sheryl Crow nur auf ihre Gute-Laune-Hits reduziert, übersieht eine der fähigsten und am hartnäckigsten arbeitenden Musikerinnen unserer Zeit. Ihr Weg zum Ruhm war alles andere als eine entspannte Autofahrt entlang des Santa Monica Boulevard.
Bevor Sheryl Crow neun Grammys gewann und über 50 Millionen Alben verkaufte, arbeitete sie als Grundschullehrerin für Musik in Missouri. Ihr Talent für Melodien war jedoch zu groß für das Klassenzimmer. In den späten 80ern zog sie nach Los Angeles und schlug sich zunächst mit Werbejingles durch (unter anderem für McDonald's).
Ihr erster gigantischer Durchbruch war paradoxerweise fast unsichtbar: Sie setzte sich gegen hunderte Bewerberinnen durch und begleitete Michael Jackson auf seiner gewaltigen "Bad"-Welttournee (1987–1989) als Backgroundsängerin. Jeden Abend sang sie das Duett „I Just Can’t Stop Loving You“ vor Millionen von Menschen – doch die Musikindustrie sah in ihr damals nur ein hübsches Gesicht im Hintergrund.
Kaum ein Fan weiß, dass Sheryl Crow eigentlich schon 1992 ein fertiges Solo-Album aufgenommen hatte. Das Label investierte eine Viertelmillion Dollar, doch Sheryl weigerte sich, es zu veröffentlichen. Sie fand es „zu glatt“, „zu poppig“ und schlichtweg nicht ehrlich. Sie riskierte ihren Vertrag und fing von vorne an.
In einem heruntergekommenen Studio in Pasadena schloss sie sich einer lockeren Gruppe von Musikern an, die sich jeden Dienstagabend trafen, um zu jammen und Bier zu trinken. Aus diesen feuchtfröhlichen Sessions entstand das legendäre Album "Tuesday Night Music Club". Es war der Sound von Freiheit und Unbeschwertheit – doch der Erfolg brachte auch Schattenseiten: Ein Streit über die Urheberschaft der Texte führte zum Bruch mit der Gruppe, was Sheryl jahrelang schwer zusetzte.
"Ich musste erst lernen, dass Erfolg im Musikgeschäft oft bedeutet, dass man Menschen verliert, die man für Freunde hielt. Es war ein schmerzhafter Reifeprozess."
– Sheryl Crow im Interview über den Erfolg von 1994Was Sheryl Crow von vielen Popstars unterscheidet, ist ihre technische Brillanz. Sie ist eine exzellente Pianistin, spielt meisterhaft Bass und Gitarre und produziert ihre Alben oft selbst. Hits wie "If It Makes You Happy" oder "Everyday Is A Winding Road" prägten den "Organic Rock" der 90er Jahre – weg von Synthesizern, hin zu echtem, dreckigem Gitarrensound.
1997 krönte sie ihre Karriere mit dem Titelsong zum James-Bond-Abenteuer "Tomorrow Never Dies". Dabei setzte sie sich gegen hochkarätige Konkurrenz wie Pulp oder k.d. lang durch und bewies, dass sie auch das ganz große orchestrale Drama beherrscht.
Sheryl Crows größte Herausforderung fand nicht auf der Bühne statt. 2006, mitten in der medialen Schlammschlacht nach der Trennung von Radprofi Lance Armstrong, erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Doch anstatt sich zurückzuziehen, ging sie offensiv mit ihrer Krankheit um. Sie wurde zur Aktivistin für Früherkennung und kehrte – nach erfolgreicher Behandlung – mit einer neuen Lebenseinstellung zurück.
Sie adoptierte zwei Söhne und zog von L.A. nach Nashville, um dem Hollywood-Trubel zu entkommen. Musikalisch entwickelte sie sich immer mehr in Richtung Country und Americana, was ihre Wurzeln im Mittleren Westen perfekt widerspiegelt.
Im Jahr 2023 wurde ihr die höchste Ehre der Musikwelt zuteil: Die Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame. Entgegen ihrer eigenen Ankündigung, keine Alben mehr zu machen, veröffentlichte sie 2024 das Werk "Evolution". Ein Album, das sich kritisch mit Künstlicher Intelligenz und dem Verlust von Menschlichkeit auseinandersetzt – Sheryl Crow bleibt also auch nach 30 Jahren am Puls der Zeit.
Der "Prince"-Moment: Sheryl Crow und Prince waren eng befreundet. Er war so ein großer Fan ihres Songs "Everyday Is A Winding Road", dass er ihn regelmäßig bei seinen eigenen Konzerten coverte.
Die Michael Jackson Story: Während der Bad-Tournee verbreiteten Boulevardzeitungen das Gerücht, Michael hätte Sheryl zwei Millionen Dollar geboten, damit sie ein Kind von ihm austrägt. Sheryl stellte später klar: "Es war alles erfunden, aber es war mein erster Vorgeschmack darauf, wie verrückt das Leben als Star sein kann."
Quellen: Rolling Stone Magazine, VH1 Behind the Music, Main-Kinzig-Radio Archiv.